Veranstaltungsorte des 6. Thüringer Naturheilkundetages 2011
2011 präsentierte sich der Naturheilkundetag in den historisch bedeutsamen Räumen des Hauses Dacheröden am Alten Angerbrunnen - einem Ort, der an die Tradition von kultureller Begegnung, Bildung, und geistigem Austausch wieder anknüpft – sowie im Künstler- und Atelierhaus in der Marktstraße 6 – mitten in der Altstadt Erfurts.
Was sind das für Plätze?
Kulturforum Haus Dacheröden – Am Alten Angerbrunnen
Die beiden Teilhäuser Anger 37/ 38 wurden bereits im Mittelalter um 1300 errichtet. Mitte des 16. Jahrhunderts veränderten prächtige Umbauten das "Haus zum Goldenen Hecht" und das "Haus zum Großen und Neuen Schiffe". Schon diese Namen lassen den Reichtum und die Weltoffenheit ihres damaligen Besitzers, einem Waidhändler, vermuten.
Wohnanforderungen und Zeitgeschmack führten in den nächsten Jahrhunderten mehrmals zu baulichen Veränderungen innen und außen. 1833 wurden beide Häuser miteinander verbunden. Heute zeigt sich kein einheitliches Bauwerk einer bestimmten Epoche, sondern ein Spiegel der Bedürfnisse seiner Besitzer über mehr als 700 Jahre.
Im ausgehenden 18. Jahrhundert erlangte dieser Ort die Bedeutung, an die seit einigen Jahren wieder angeknüpft wird. Der Freiherr von Dacheröden, hochgebildeter Präsident der "Königlich Preußischen Akademie nützlicher Wissenschaften", und seine Tochter Caroline machten das Haus zum Anziehungspunkt für zahlreiche politische und geistige Größen dieser Zeit, wie z. B. Napoleon, Goethe, Schiller, Herder oder die Brüder Humboldt.
Man traf sich im "Salon" nicht nur zu einem guten Abendessen, man tauschte sich (philosophisch) aus und pflegte mit Hingabe die Kunst der Musik und Literatur. "Man" war, wer was zu sagen hatte. Eine aufregende Zeit, voller Forschung, Bildung neuer Gedanken, Hervortreten kluger, engagierter Frauen, eine Blütezeit, die auch in Erfurt erlebt wurde. "Kein Fremder von Rang und Bildung verließ Erfurt, ohne das Dacherödsche Haus besucht zu haben", schreibt der Historiker Alfred Overmann.
Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten öffnete das Haus im September 2010 als eine Stätte der Kultur und des geistigen Austauschs erneut seine Türen. Musik, Theater, Ausstellungen, Vorträge, Beratungen, Konferenzen und vieles mehr knüpfen in zeitgemäßen Formen an das wertvolle geistige Erbe dieses Ortes an, dem sich die Stadt verpflichtet sieht.
Künstler- und Atelierhaus – Marktstraße 6
Dieses Haus steht, leicht von der Straße zurückgesetzt, inmitten Erfurts historischer Altstadt, zwischen Krämerbrücke, Rathaus und Domplatz. Gerade hier entstanden im Mittelalter Gebäude, die von Wohlstand und lebendigem städtischen Wirtschafts- wie Bildungsleben zeugten. Und so spielte auch die Marktstraße 6 mehrfach eine wichtige Rolle im Stadtgeschehen, auch wenn wir heute auf ein recht junges Backsteinhaus von 1875 blicken.
1510 wurde das Haus erstmals in einer schriftlichen Quelle erwähnt. Es war der Sitz der Mainzer kurfürstlichen Verwaltung, auch für die Mainzer Küchendörfer im Umfeld Von hier aus wurde also die dem Erzbischof von Mainz gehörende Stadt regiert. 1767 zog die wertvolle Bibliotheca Amploniana mit 633 Bänden ein, und das Haus wurde zum Ort des Wissens. Als die Erfurter Universität 1816 geschlossen wurde, ging das Gebäude an die Stadt über.
1875 eröffnete mit einem Neubau an dieser Stelle die Höhere Bürgerschule für Mädchen. Später war sie Realgymnasium, dann Hilfsschule und von 1949 bis 2005 Förderschule. Heute beherbergt die Marktstraße 6 das Mehrgenerationenhaus, ein Puppenspiel, Ateliers und das Cafe Nerly.
Auf dem Weg zur Aula, im Treppenabsatz zwischen der ersten und zweiten Etage lohnt es sich, den Blick einmal ganz weit nach oben heben. Dort sind zwei historische Ansichten zu finden: Die Fassade des mittelalterlichen Vorgängerbaus, eingebettet in die Nachbarhäuser und von Norden bzw. Süden gesehen.